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Donnerstag, 13. Oktober 2011

Die Ärmsten zahlen die Zeche - Kosten für Nahrungsmittelimporte auf Rekordniveau „Brot für die Welt“ und FIAN fordern nachhaltige Hungerbekämpfung

05.Oktober 2011 |Sebastian Rötters FIAN Deutschland e.V.
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Berlin/Stuttgart/Köln, 05.10.2011. Die Zahl der Hungernden steigt wieder an. Die dramatischen Ereignisse in Ostafrika sind nur die Spitze des Eisberges. Die weltweite Hungerkrise ist keine Naturkatastrophe, sondern von Menschen gemacht. „Die Politik muss endlich die lokale und nationale Nahrungsmittelproduktion ganz oben auf die Agenda einer nachhaltigen Hungerbekämpfung setzen“ forderten Vertreter des evangelischen Hilfswerks „Brot für die Welt“ und der Menschenrechtsorganisation FIAN in Berlin mit Blick auf den bevorstehenden Welternährungstag am 16. Oktober. Sie führten aus, dass gegenwärtig die Ärmsten die Zeche zahlen würden.
Ein Kernproblem ist die wachsende Abhängigkeit armer Länder von Nahrungsmittelimporten. Nach Angaben von „Brot für die Welt“ und FIAN haben sich die Kosten dafür weltweit seit 2000 verdreifacht und werden dieses Jahr knapp eine Billion Euro erreichen. Dies trifft die ärmsten Länder am härtesten, die ohnehin am Tropf des Weltmarkts hängen. Die Kosten der ärmsten Länder für Nahrungsmittelimporte steigen im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent an - die Importkosten für Getreide in Afrika südlich der Sahara gar doppelt so stark.

Noch vor 30 Jahren waren die meisten Länder Selbstversorger in Sachen Nahrungsmittel. Dass sich die ärmsten Länder heute über den Weltmarkt ernähren müssten, sei das Ergebnis einer jahrzehntelangen Politik der Diskriminierung der bäuerlichen Landwirtschaft, kritisieren die Organisationen. Diese Politik wurde von den Industrienationen maßgeblich (mit)bestimmt. So hat das Exportdumping der europäischen Agrarüberschüsse die lokale Nahrungsproduktion in vielen afrikanischen Ländern systematisch untergraben. „Die so geschaffene Abhängigkeit reißt nun die Ärmsten in den Hunger“, betont der Ernährungsexperte Bernhard Walter von Brot für die Welt. „Diese Probleme sind auf Politiken zurückzuführen, die das Menschenrecht auf Nahrung ignorieren.“ so Walter weiter.
Eine Kehrtwende der Politik sei nicht in Sicht. In Kenia, wo die aktuelle Hungersnot wütet, würde die Nahrungsmittelproduktion weiter zerstört, um für große Agrarexportprojekte Platz zu machen, erläuterte Roman Herre, Agrarreferent von FIAN. Er verwies auf ein aktuelles Beispiel aus dem Tana-Delta, wo 32 Dörfer einer riesigen Zuckerrohrplantage zur Ethanolproduktion Platz machen sollen.
Die heutige Hungerkrise ist keine Naturkatastrophe, sondern von Menschen gemacht. Das von Brot für die Welt und FIAN mit herausgegebene internationale „Jahrbuch zum Recht auf Nahrung 2011“ (Right to Food and Nutrition Watch 2011) zeigt an zahlreichen Fallbeispielen, dass Verursacher von Hunger benennbar sind und zur Verantwortung gezogen werden können und müssen. Eine der wichtigsten Herausforderungen für einen effektiveren Kampf gegen den Hunger ist es, gegen Verletzungen des Menschenrechts auf Nahrung vorzugehen. Wer jedoch heutzutage das Menschenrecht auf Nahrung verletzt, geht meistens straffrei aus. „Der chronische Hunger ist vor allem eine Folge dieser Straflosigkeit“, so Roman Herre. „Ohne diese menschenrechtliche Rechenschaftspflicht aber bleiben die Millenniumsziele Makulatur.“
http://ml.new.fian.de/attachments/111005_PM_Welternaehrungstag_Die_Aermsten_zahlen_die_Zeche.pdf
Kontakt
Rainer Lang, Brot für die Welt, Tel. 0711-2159-147, r.lang(at)brot-fuer-die-welt.de
Roman Herre, Agrarreferent FIAN Deutschland, Tel. 0176-76145926, E-Mail r.herre(at)fian.de

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