Sendereihe: "Macht und Menschenrechte" ( Unser Politikblog TV) November - dann in anderem Format

Mittwoch, 24. November 2010

Die EFSA, eine Spielwiese der Gen-Industrie

24.November 2010 | Unser Politikblog

Mitarbeiter der Europäischen Lebensmittelbehörde kollaborieren mit
Firmen wie Monsanto

München / Parma, 19.November 2010. Zwischen den Experten der
Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA und der Industrie bestehen
enge Verbindungen. Der Leiter der Expertengruppe, die für die
Prüfung der Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen zuständig ist,
Harry Kuiper und ein weiterer Experte, Gijs Kleter, arbeiten seit
Jahren mit dem industrienahen International Life Science Institut
(ILSI) zusammen. Sie kooperieren dort mit Vertretern von Konzernen
wie Monsanto, Dupont, DowAgroSciences, Syngenta und Bayer in
Projekten, die in erster Linie zu einer vereinfachten Marktzulassung
von gentechnisch veränderten Pflanzen führen sollen.

Vorwürfe wegen Verflechtungen zwischen der EFSA und der Industrie
wurden in den letzten Monaten immer wieder erhoben: Ende September
war bekannt geworden, dass im Verwaltungsrat der EFSA eine
Mitarbeiterin der ILSI, Diána Bánáti, sitzt. Diese legte nach dem
Bekanntwerden ihrer Verbindungen ihre Tätigkeiten bei der ILSI
nieder. In einem anderen Fall war die Leiterin der
Gentechnikabteilung, Suzy Renckens, direkt von der EFSA zur
Gentechnikindustrie gewechselt, ohne dass die Behörde irgendwelche
Einwände erhoben hatte. Neue Vorwürfe wurden jüngst wegen
Interessenskonflikten der Behörde bei der Bewertung von Chemikalien
erhoben. Auch hierbei spielt ILSI eine entscheidende Rolle.

Nach Ansicht von Testbiotech gibt es im Fall von Kuiper und Kleter
einen gravierenden Interessenskonflikt: "Harry Kuiper hat die Arbeit
der Gentechnik-Experten der EFSA von Anfang an geleitet. Er ist ganz
wesentlich beteiligt an der Erstellung von Prüfrichtlinien.
Unmittelbar bevor er 2003 zur EFSA kam, arbeitete er bei ILSI mit
der Gentechnikindustrie ausgerechnet an Kriterien für die
Risikobewertung von gentechnisch veränderten Pflanzen. Die
Verbindung von Kuiper zu ILSI besteht noch immer. Dass die Behörde
diese offene Zusammenarbeit seit Jahren toleriert, erschüttert ihre
Glaubwürdigkeit im Kern," sagt Christoph Then von Testbiotech. "Es
sieht so aus, als hätte die Gentechnik-Industrie mit der
Unterstützung von ILSI die EFSA zu ihrem Spielball gemacht."


ILSI ist eine Organisation mit Sitz in den USA, die sich mit Themen
der Lebensmittelsicherheit und entsprechenden gesetzlichen
Regelungen befasst. Erstmals hatte die angeblich unabhängige
Organisation für Kontroversen gesorgt, als ihr die WHO enge
Verbindungen zur Tabakindustrie vorgeworfen hat. Im Bereich der
Biotechnologie arbeitet ILSI mit einer sogenannten 'Task Force', die
ausschließlich mit Vertretern der Gentechnik-Industrie besetzt ist.
Für diese Task Force erarbeitet eine Gruppe von Experten Berichte,
mit denen dann bei Behörden und Politik Einfluss genommen wird.
Harry Kuiper und Gjes Kleter haben an den Berichten der Task Force
direkt mitgearbeitet.

Testbiotech prüft jetzt, inwieweit die von der Task Force
erarbeiteten Konzepte von der EFSA für ihre Prüfrichtlinien
übernommen wurden. Entsprechende Dokumente, die diesen Verdacht nahe
legen, werden derzeit von Testbiotech gesichtet. Ergebnisse werden
bei einem Pressegespräch am 1.12. 2010 in München vorgestellt.
Christoph Then: "Wir sind über die bisherigen Ergebnisse unserer
Recherchen über EFSA sehr besorgt. Diese Vorgänge machen sehr
deutlich, wie wichtig eine unabhängige Risikoforschung ist. Wir
fordern eine Neuorganisation der Risikoforschung und Risikobewertung
gentechnisch veränderter Pflanzen unter Beteiligung der
Öffentlichkeit. Politik, Behörden und die Wissenschaft dürfen sich
nicht von der Industrie manipulieren lassen."

Zur Ansicht: Auszüge aus einem Report von ILSI als ein Beispiel für
die Zusammenarbeit der EFSA Experten Harry Kuiper und Gijs Kleter
mit der Gentechnikindustrie
http://www.testbiotech.de/node/424

Kontakt:
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Christoph Then
Tel., 0151 54 63 80 40

ABSENDER:
Testbiotech e. V.
Institut zur unabhängigen Folgenabschätzung in der Biotechnologie
Frohschammerstr. 14
80807 München
info@testbiotech.org
www.testbiotech.org

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